benjamin weinlich

Journal · Übersicht

Journal.

Alle Einträge, chronologisch. KI im Werkstattalltag, aus der Praxis einer freien Werkstatt. Lange Stücke und kurze Antworten auf echte Fragen aus dem Betrieb.

1. November 2025 Starthilfe

Wie ich aus dem aufbereiteten Handbuch eine KI-Hilfe für das ganze Team gemacht habe

Im ersten Teil habe ich das Handbuch unserer Werkstatt-Software KI-gerecht aufbereitet. Jetzt kommt der Teil, der es benutzbar macht, und die wichtigste Erkenntnis dabei war, dass ich fast nichts davon selbst bauen musste. Hier steht, welche Software welche Aufgabe übernimmt, wie die Zahnräder ineinandergreifen, und wie man ein KI-System so abnimmt, dass man ihm wirklich trauen kann.

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31. Oktober 2025 Starthilfe

Wie ich das Loco-Soft-Handbuch KI-gerecht aufbereitet habe, damit es endlich nützlich wird

Das Handbuch unserer Werkstatt-Software ist gut geschrieben. Trotzdem findet niemand darin die Antwort, denn es ist nach Programm-Nummern sortiert und nicht nach den Fragen, die meine Kollegen wirklich stellen. Bevor eine KI hier helfen kann, muss der Text erst aus einem alten Windows-Format heraus, und zwar so aufbereitet, dass die Maschine damit etwas anfangen kann. Das ist der Teil der Arbeit, den dir niemand abnimmt, und genau deshalb der Teil, der deinem Betrieb gehört.

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29. Oktober 2025 Starthilfe

Wie ich unsere Abläufe von der KI aufschreiben ließ, bis aus dem Chaos etwas wurde, das jeder lesen kann

Unsere Prokuristin kam mit einer Excel voller offener Punkte zu mir, für die es noch keinen festen Ablauf gab. Ich habe diese Tabelle einer KI hingeworfen, sie den Branchen-Standard dazu recherchieren lassen und am Ende ein sauberes Diagramm bekommen, das ich nur noch prüfen musste und das jeder im Betrieb lesen kann. So dokumentierst du einen Prozess, ohne ihn selbst zu erfinden, an einem Nachmittag.

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Dateisync oder Versionsverwaltung, wenn dieselben Ordner auf zwei Rechnern liegen sollen?

Wenn dieselben Ordner auf zwei Rechnern liegen sollen, nehme ich Versionsverwaltung statt Dateisync. Meine Arbeitsordner lagen früher in Nextcloud, und dort steht bis heute ein veralteter Zwilling mit neunzehn statt neunundzwanzig Einträgen, inklusive eines Projekts, das ich längst beerdigt habe. Seit dem zehnten August hängt der zweite Rechner stattdessen an Forgejo, und jeder Arbeitsplatz holt sich denselben nachvollziehbaren Stand. Ein Sync kennt nur den letzten Schreiber, eine Historie kennt den Weg dorthin.

Muss man Sicherheitsregeln übernehmen, die für öffentliche Plattformen gedacht sind?

Sicherheitsregeln für öffentliche Plattformen muss man nicht ungeprüft übernehmen, man muss wissen, wogegen sie schützen. In allen dreiundzwanzig meiner Repositories stand eine Ausschlussliste aus der GitHub-Welt, die Schlüssel- und Zugangsdateien grundsätzlich draußen hielt. Mein Forgejo läuft auf eigener Hardware und hat genau drei Konten, die alle mir gehören, also habe ich die Liste umgedreht: draußen bleibt nur, was auf jedem Rechner ohnehin neu entsteht. Eine Regel ohne ihren Grund ist nur noch eine Gewohnheit.

Warum lehnt ein VPN die Anmeldung ab, obwohl das Passwort stimmt?

Ein VPN lehnt die Anmeldung auch dann ab, wenn das Passwort stimmt, die Programmversion auf dem eigenen Rechner aber zu alt ist. Bei uns brach OpenVPN jeden Verbindungsversuch mit einer Anmeldefehler-Meldung ab, obwohl die Zertifikatsprüfung eine Zeile vorher sauber durchlief. Der Gegenstelle war die Version zu alt, sie verlangt mindestens 2.6.12. Wer nur die letzte Zeile liest, sucht am falschen Ende.

Reicht es, wenn eine Telefon-KI sich in der Begrüßung selbst als KI vorstellt?

Es reicht, wenn eine Telefon-KI sich in der Begrüßung selbst als KI vorstellt, solange dieser Satz wirklich in jedem Anruf fällt. Unser Anrufassistent getCarl zeigt dazu einen roten Warnkasten, obwohl die feste Begrüßung das Wort KI-Assistentin im ersten Satz nennt und sich vom Anrufer nicht wegreden lässt. Eine frühere Fassung sagte nur digitaler Assistent, das war zu schwach. Das Werkzeug prüft seinen eigenen Schalter, nicht den Text dahinter. Eine Warnung kennt immer nur das, was sie messen kann.

Fest hinterlegter Text oder Anweisung an die KI, wenn eine Angabe verpflichtend ist?

Wenn eine Angabe rechtlich verpflichtend ist, gehört sie als fester Text hinterlegt und nicht als Anweisung an das Sprachmodell. Bei unserem Telefonassistenten steht der Hinweis, dass hier eine KI spricht, als unveränderlicher Begrüßungssatz im System, und ich habe am selben Tag geprüft, dass ihn kein Anrufer unterbrechen oder überreden kann. Als Prompt formuliert wäre er nur wahrscheinlich, nicht sicher. Was man im Zweifel beweisen muss, darf nicht bei jedem Anruf neu erfunden werden.

Ist der Chatbot über die Herstellerdoku das Wertvollste daran?

Der Chatbot über die Herstellerdoku ist nicht das Wertvollste daran. Für die Microlino-Betreuung habe ich eine Frage-Antwort-Hilfe über 285 Herstellerartikel gebaut, und der Teil, den das Team täglich braucht, ist ein anderer: der Ablauf vom Garantieantrag bis zur Abrechnung, den vorher niemand vollständig aufgeschrieben hatte. Der Weg durch die fremde Doku war schnell gebaut, der Weg durch unseren eigenen Betrieb hat die Arbeit gemacht. Eine Maschine kann fremdes Wissen erschließen, das eigene muss man selbst aufschreiben.

Wie lange hat man Zeit, einen Garantiefall abzurechnen?

Zeit für die Abrechnung eines Garantiefalls hat man nur zwanzig Werktage ab Kenntnis, danach verfällt der Anspruch. Bei Microlino steht das in den Richtlinien, zusammen mit dem Satz, dass eine versäumte Frist nicht an den Endkunden weitergegeben werden darf. Das Altteil müssen wir neunzig Werktage aufbewahren. Wir notieren die Frist deshalb beim Anlegen des Antrags, nicht erst wenn das Fahrzeug fertig ist. Eine Frist, die man am Ende bemerkt, ist meistens schon abgelaufen.

Rechnet man Garantieteile ab dem eigenen Einkaufspreis ab?

Garantieteile rechnet man nicht ab dem eigenen Einkaufspreis ab, sondern zum Garantiepreis der Herstellerliste. Bei einem Microlino-Getriebe haben wir 805 Euro bezahlt, abrechenbar waren 1.162,82 Euro. Wer stattdessen seinen Einkauf plus sieben Prozent ansetzt, verschenkt rund 357 Euro pro Getriebe, weil unser Einkauf gut ein Viertel unter dem Listenpreis liegt. Die Faustformel gilt zwischen zwei Spalten der Preisliste, nicht ab dem eigenen Beleg. Wer die Grundlage verwechselt, rechnet sauber und trotzdem falsch.

Warum lieferte ein Hersteller-Portal mit 285 Artikeln fast keinen Text?

Ein Hersteller-Portal mit 285 Artikeln lieferte fast keinen Text, weil der Inhalt komplett in den Anhängen lag. Beim Aufbau unserer Microlino-Hilfe habe ich das Portal erst einmal durchgezählt: 69 Kategorien, 285 Artikel, aber nur 9 davon mit eigenem Text, alles andere steckte in 271 PDF-Dateien. Geplant hatte ich einen Scraper für Webseiten, gebraucht wurde eine Pipeline für Dokumente. Eine Stunde nachsehen, wo der Inhalt wirklich liegt, spart die Woche, in der man das falsche Werkzeug baut.

Wen trifft es, wenn eine gemeinsam genutzte Ressource ausgeht?

Wenn eine gemeinsam genutzte Ressource ausgeht, trifft es nicht den Verursacher, sondern den, der zufällig zuletzt kommt. An einem Dienstag wurden 66 Anmeldungen über Authentik abgewiesen, weil unsere Datenbank keine freie Verbindung mehr hatte, während die eigentlichen Dauerverbraucher ungestört weiterliefen. Authentik ist bei uns die Anmeldung für fast alles, also stand plötzlich überall die Tür zu. Wer die Ursache am lautesten Symptom sucht, verdächtigt meistens den Falschen.

Hilft ein stärkerer Server, wenn der angebundene Speicher langsam ist?

Ein stärkerer Server hilft nicht, wenn der angebundene Speicher der Flaschenhals ist. Bei unserer Nextcloud habe ich erst gemessen, bevor ich über neue Hardware nachdachte: 8,4 Megabyte pro Sekunde beim Schreiben in den Objektspeicher, 67 beim Lesen, während das Netz selbst in unter einer Millisekunde antwortete. Die Maschine hatte nie Not, die Leitung dahinter schon. Bevor man aufrüstet, misst man, wo die Zeit wirklich verlorengeht.

Warum brechen große Uploads immer nach genau einer Minute ab?

Große Uploads brechen nach genau einer Minute ab, weil dort ein Zeitlimit sitzt und kein Zufall waltet. Bei uns endete jede Übertragung über zweihundert Megabyte mit einem Fehler, immer nach 60,1 Sekunden. Der Verdacht lag zuerst beim Programm auf dem Rechner, tatsächlich hatte unser Proxy Traefik in der neuen Version ein Werksmaß von sechzig Sekunden mitgebracht. Eine Störung, die auf die Zehntelsekunde wiederkehrt, kommt nicht von der Leitung, sondern aus einer Einstellung.

Was ändert ein Versionssprung außer den Funktionen?

Ein Versionssprung ändert nicht nur Funktionen, sondern auch Voreinstellungen, die es vorher gar nicht gab. Unser Proxy Traefik kannte in Version zwei keine Zeitgrenze für eingehende Übertragungen, Version drei bringt sechzig Sekunden ab Werk mit, und das galt schlagartig für alle Dienste dahinter: Dokumentenablage, Projektverwaltung, Dateiserver. Aufgefallen ist es nur an einer einzigen Stelle. Nach einem Update lohnt der Blick auf das, was der Hersteller jetzt anders für richtig hält.

Reicht die Werkseinstellung einer Datenbank für den Dauerbetrieb?

Für den Dauerbetrieb reicht die Werkseinstellung einer Datenbank nicht, sie ist für den kleinsten denkbaren Fall gemacht. Unser PostgreSQL lief mit hundert erlaubten Verbindungen und 128 Megabyte Puffer bei knapp vier Gigabyte Arbeitsspeicher im Server, und seit Mai wurden über zwölftausend Verbindungen abgewiesen. Nach dem Anheben auf zweihundert fiel die Auslastung von achtzig auf vierunddreißig Prozent, bei 0,85 Sekunden Ausfall. Eine Werkseinstellung ist eine Startposition, kein Betriebszustand.

Kann eine Werkseinstellung eine Funktion von Anfang an unmöglich machen?

Eine Werkseinstellung kann eine Funktion tatsächlich von Anfang an unmöglich machen. Unsere Nextcloud lief über ein Jahr mit einem Zeitlimit von fünfzehn Sekunden für den angebundenen Objektspeicher, während ein einzelner Datenblock bei gemessenem Durchsatz neunundfünfzig Sekunden gebraucht hätte. Jeder größere Upload musste also scheitern, ganz ohne Defekt. Werkseinstellungen sind eine Annahme des Herstellers über einen Betrieb, den er nicht kennt.

Was kommt beim Umzug einer Website zuerst, das Zertifikat oder die DNS-Umstellung?

Beim Umzug einer Website kommt erst das Zertifikat, dann die DNS-Umstellung. Wir ziehen zwei unserer Domains auf einen neuen Reverse Proxy, und in der umgekehrten Reihenfolge entsteht ein Zeitfenster, in dem Besucher auf einem Server landen, der für diese Adresse noch gar kein gültiges Zertifikat hat: Warnseite im Browser, mitten am Werktag. Also erst den Traefik-Router scharf schalten, dann den Wegweiser umstellen. Man baut die Brücke fertig, bevor man den Verkehr darüberschickt.

Was passiert mit einem Diagnose-Schalter, den man nach der Reparatur anlässt?

Ein Diagnose-Schalter, den man nach der Reparatur anlässt, wird irgendwann selbst zum Fehler. Auf einem unserer WordPress-Server stand die ausführliche Fehlerprotokollierung seit Monaten auf an, im Produktivbetrieb. Die Protokolldatei war auf 1,96 Gigabyte gewachsen und der Datenträger zu sechsundachtzig Prozent voll. Bevor ich sie geleert habe, habe ich ihr Ende gelesen, denn genau dort stand die Ursache des Ausfalls. Was man zum Suchen anschaltet, gehört nach dem Finden wieder ausgeschaltet.