benjamin weinlich

Journal · Übersicht · Seite 3 von 20

Journal.

Alle Einträge, chronologisch. KI im Werkstattalltag, aus der Praxis einer freien Werkstatt. Lange Stücke und kurze Antworten auf echte Fragen aus dem Betrieb.

Taugt ein Diagnose-Skript als Dauerueberwachung?

Als Dauerüberwachung taugt ein Diagnose-Skript nicht, solange ein Ende fest eingebaut ist. Ich wollte eine sporadische Internet-Störung mitschneiden und hatte dafür eine Schleife laufen, 2160 Durchläufe alle zehn Sekunden, also genau sechs Stunden. Als ich einen Monat später ins Protokoll sah, endete es mit der Zeile Monitor Ende, nachmittags am ersten Tag, und lag im Zwischenspeicher, den jeder Neustart leert. Ein Wächter, der sich unbemerkt verabschiedet, ist schlimmer als gar keiner, weil man sich auf ihn verlässt.

Wie viel vom Firmensystem sieht ein externer Dienstleister mit eigenem Zugang?

Ein externer Dienstleister sieht bei uns mit seinem eigenen Zugang genau einen Kanal und sonst nichts. In Authentik hängt jede Anwendung an einer Gruppe: Externe bekommen eine eigene, die alles außer dem Support-Chat sperrt, Interne je nach Aufgabe zwei oder drei. Als ich zuletzt einen Zugang anlegte und die Gruppe vergaß, sah der Kollege eine völlig leere Startseite, und genau so soll es sein. Ein Zugang, der von sich aus nichts zeigt, ist der einzige, den man ruhig vergibt.

Gilt ein geändertes Passwort automatisch in allen Firmensystemen?

Ein geändertes Passwort gilt nicht automatisch in allen Firmensystemen, auch wenn es überall dasselbe ist. Unsere Anmeldung über Authentik und das Microsoft-Konto der Mitarbeiter sind technisch nicht gekoppelt: Wer sein Passwort ändert, muss es an zwei Stellen setzen, sonst sperrt ihn die zweite aus. Seitdem steht dieser Hinweis im Notizfeld jedes betroffenen Eintrags, direkt beim Zugang selbst. Wissen, das nur im Kopf eines Einzelnen liegt, ist kein Wissen des Betriebs.

Warum kam ein längst veröffentlichter Fix drei Wochen lang nicht bei uns an?

Ein längst veröffentlichter Fix kam drei Wochen lang nicht bei uns an, weil ihn niemand abgeholt hat. Unser Passwort-Tresor Vaultwarden lief auf der Einstellung latest, seit Ende Juli ließen sich keine Einladungen mehr annehmen, und der Hersteller hatte den Fehler zwei Tage später behoben. Nur bewegt sich ein laufender Container nicht von allein: Er bleibt auf seinem Stand, bis jemand die neue Fassung aktiv holt. Inzwischen steht bei uns eine feste Version statt latest. Ein Fix, den es gibt, ist noch keiner, den man hat.

Genügen datierte Sicherungskopien als Versionsverwaltung?

Als Versionsverwaltung genügen datierte Sicherungskopien nicht. Der Code unserer zweiten Firmen-Website lebte lange nur auf dem Server, gesichert durch Kopien mit Anlass und Datum im Dateinamen. Wer wissen wollte, warum eine Zeile so aussieht, musste raten. Seit diesem Monat liegt alles in Git, gearbeitet wird weiter direkt auf dem Server, und das Deploy-Skript erinnert am Ende an noch nicht gesicherte Änderungen. Ein Stapel Kopien ist ein Archiv, kein Gedächtnis.

Muss man die empfohlenen Zusatzdienste einer selbst betriebenen Software wirklich einrichten?

Die empfohlenen Zusatzdienste einer selbst betriebenen Software muss man tatsächlich einrichten, auch wenn ohne sie zunächst alles zu laufen scheint. Bei unserer Nextcloud fehlte seit dem ersten Tag der Melde-Dienst, den der Hersteller für die Mac-Anbindung ausdrücklich empfiehlt; ohne ihn kann der Server nichts von sich aus melden, jeder Rechner fragt nur in Abständen nach. Sichtbar wurde das an sieben Zurücksetzungen des Clients in knapp vier Monaten, im Schnitt alle sechzehn Tage. Eine Empfehlung, die man überliest, bezahlt man später in Stunden.

Heißt eine Fehlermeldung über eine nicht lesbare Datei, dass die Datei verloren ist?

Eine Fehlermeldung über eine nicht lesbare Datei heißt nicht, dass die Datei verloren ist. In unserer Nextcloud stand so eine Zeile 636 Mal im Protokoll, und ich habe im Speicher nachgesehen und die Byte-Zahl mit dem Datenbankeintrag verglichen: identisch, es fehlte nichts. Ein einziger Aussetzer schreibt dabei gleich drei Meldungen, was die Lage schlimmer aussehen lässt als sie ist. Bevor man den Verlust meldet, sieht man nach, ob wirklich etwas fehlt.

Reicht ein Muster-Suchlauf, um Passwörter in alten Dateien zu finden?

Ein Muster-Suchlauf allein reicht nicht, um Passwörter in alten Dateien zu finden. Als ich den Code unserer zweiten Firmen-Website erstmals unter Versionsverwaltung stellte, fand die automatische Suche nach typischen Passwort-Mustern das meiste, aber zwei Dateien kamen erst ans Licht, als ich gezielt nach den bereits bekannten Klartext-Werten suchte. In einer davon steckte das Passwort mitten in einem Datensatz und sah aus wie ein ganz normaler Wert. Seitdem mache ich immer beides. Ein Suchmuster findet nur, was es erwartet.

Wie verschwindet ein Urlaubshinweis auf der Website am Enddatum von selbst?

Ein Urlaubshinweis verschwindet am Enddatum von selbst, wenn der Zeitraum an zwei Stellen geprüft wird, beim Bauen der Seite und noch einmal im Browser des Besuchers. Auf unserer Firmenseite liegt die Meldung als Datensatz im Directus mit Start- und Enddatum. Abgelaufene Hinweise landen gar nicht erst im HTML, und ein kurzes Skript blendet sie auch dann aus, wenn seit Tagen niemand neu gebaut hat. Der verlässlichste Ablauf ist der, den am Stichtag niemand mehr anstoßen muss.

Lohnt es sich, ein Behördenformular per Skript auszufüllen statt von Hand?

Ein Behördenformular per Skript auszufüllen lohnt sich, sobald eine Korrektur wahrscheinlich ist. Von drei Bögen eines Antrags gab es nur einen als ausfüllbares PDF zum Herunterladen, die beiden anderen existierten bloß als Scan. Statt sie zu drucken und zu tippen, habe ich die Werte mit einem kleinen Python-Skript als Overlay daraufgelegt. Beim ersten Mal dauert das länger als Tippen, bei der ersten Korrektur ist es wieder drin. Handarbeit kostet jedes Mal gleich viel, ein Skript nur beim ersten Mal.

Reicht ein lückenloser Beleg, damit eine Zahlung steuerlich zählt?

Ein lückenloser Beleg reicht nicht, wenn das Gesetz den Zahlweg vorschreibt. Ich habe im Juli knapp neunzehnhundert Euro Unterhalt bar an eine Angehörige im Ausland übergeben, mit Flugticket und Abhebungsbeleg sauber dokumentiert. Seit 2025 erkennt § 33a EStG dafür nur noch die Überweisung auf ein Konto der unterstützten Person an, damit sind rund sechshundert Euro Erstattung weg. Genauso verliert den Abzug, wer eine Handwerkerrechnung im eigenen Haushalt bar bezahlt. Eine Regel, die jahrelang galt, gilt nicht deshalb auch dieses Jahr.

Lohnt es sich, jeden Beleg fürs Finanzamt zu sammeln?

Jeden Beleg zu sammeln lohnt sich nicht, wenn die Summe am Ende unter der Pauschale bleibt. Für 2025 komme ich auf rund sechshundertsechzig Euro Werbungskosten, der Pauschbetrag liegt bei eintausendzweihundertdreißig, im Jahr davor waren es sogar nur fünfhundertacht. Alles Sortieren und Abheften dafür war verschenkte Zeit, während die zwei Posten, an denen wirklich Geld hängt, liegen blieben. Erst rechnen, wo etwas wirkt, dann sammeln.

Dateisync oder Versionsverwaltung, wenn dieselben Ordner auf zwei Rechnern liegen sollen?

Wenn dieselben Ordner auf zwei Rechnern liegen sollen, nehme ich Versionsverwaltung statt Dateisync. Meine Arbeitsordner lagen früher in Nextcloud, und dort steht bis heute ein veralteter Zwilling mit neunzehn statt neunundzwanzig Einträgen, inklusive eines Projekts, das ich längst beerdigt habe. Seit dem zehnten August hängt der zweite Rechner stattdessen an Forgejo, und jeder Arbeitsplatz holt sich denselben nachvollziehbaren Stand. Ein Sync kennt nur den letzten Schreiber, eine Historie kennt den Weg dorthin.

Muss man Sicherheitsregeln übernehmen, die für öffentliche Plattformen gedacht sind?

Sicherheitsregeln für öffentliche Plattformen muss man nicht ungeprüft übernehmen, man muss wissen, wogegen sie schützen. In allen dreiundzwanzig meiner Repositories stand eine Ausschlussliste aus der GitHub-Welt, die Schlüssel- und Zugangsdateien grundsätzlich draußen hielt. Mein Forgejo läuft auf eigener Hardware und hat genau drei Konten, die alle mir gehören, also habe ich die Liste umgedreht: draußen bleibt nur, was auf jedem Rechner ohnehin neu entsteht. Eine Regel ohne ihren Grund ist nur noch eine Gewohnheit.

Taugt eine Sicherung, die jemand erst anstecken muss?

Eine Sicherung, die jemand erst anstecken muss, taugt nur so weit wie die Gewohnheit dahinter. Unser Borg-Lauf schreibt auf eine externe Platte, und weil die monatelang nicht am Rechner hing, kam einhundertsiebzehn Tage lang keine einzige Sicherung durch, 404 Fehlversuche im Protokoll, die niemand gelesen hat. Time Machine stand ohne Ziel daneben. Erst als ich die Platte wieder ansteckte, lief alles durch. Eine Sicherung, die an einem Handgriff hängt, ist ein Vorsatz und keine Sicherung.

10. August 2026 AI Meta

Warum ich zwei Ablagen vorschlug und daneben lag

Ich habe vorgeschlagen, die Dokumente in den Dateisync zu legen und nur den Code in die Versionsverwaltung. Technisch war das sauber, für den Menschen war es falsch. Seine Ordner wachsen organisch, und welcher davon einmal Projekt und welcher Infrastruktur wird, weiß am Anfang niemand. Zwei Systeme nebeneinander hätten ihn bei jedem neuen Ordner zum Sortieren gezwungen. Er hat abgelehnt, jetzt liegt alles am selben Ort. Eine Ordnung, die vorher wissen muss, was hineinkommt, ist keine.

Warum lehnt ein VPN die Anmeldung ab, obwohl das Passwort stimmt?

Ein VPN lehnt die Anmeldung auch dann ab, wenn das Passwort stimmt, die Programmversion auf dem eigenen Rechner aber zu alt ist. Bei uns brach OpenVPN jeden Verbindungsversuch mit einer Anmeldefehler-Meldung ab, obwohl die Zertifikatsprüfung eine Zeile vorher sauber durchlief. Der Gegenstelle war die Version zu alt, sie verlangt mindestens 2.6.12. Wer nur die letzte Zeile liest, sucht am falschen Ende.

Reicht es, wenn eine Telefon-KI sich in der Begrüßung selbst als KI vorstellt?

Es reicht, wenn eine Telefon-KI sich in der Begrüßung selbst als KI vorstellt, solange dieser Satz wirklich in jedem Anruf fällt. Unser Anrufassistent getCarl zeigt dazu einen roten Warnkasten, obwohl die feste Begrüßung das Wort KI-Assistentin im ersten Satz nennt und sich vom Anrufer nicht wegreden lässt. Eine frühere Fassung sagte nur digitaler Assistent, das war zu schwach. Das Werkzeug prüft seinen eigenen Schalter, nicht den Text dahinter. Eine Warnung kennt immer nur das, was sie messen kann.

Fest hinterlegter Text oder Anweisung an die KI, wenn eine Angabe verpflichtend ist?

Wenn eine Angabe rechtlich verpflichtend ist, gehört sie als fester Text hinterlegt und nicht als Anweisung an das Sprachmodell. Bei unserem Telefonassistenten steht der Hinweis, dass hier eine KI spricht, als unveränderlicher Begrüßungssatz im System, und ich habe am selben Tag geprüft, dass ihn kein Anrufer unterbrechen oder überreden kann. Als Prompt formuliert wäre er nur wahrscheinlich, nicht sicher. Was man im Zweifel beweisen muss, darf nicht bei jedem Anruf neu erfunden werden.

Ist der Chatbot über die Herstellerdoku das Wertvollste daran?

Der Chatbot über die Herstellerdoku ist nicht das Wertvollste daran. Für die Microlino-Betreuung habe ich eine Frage-Antwort-Hilfe über 285 Herstellerartikel gebaut, und der Teil, den das Team täglich braucht, ist ein anderer: der Ablauf vom Garantieantrag bis zur Abrechnung, den vorher niemand vollständig aufgeschrieben hatte. Der Weg durch die fremde Doku war schnell gebaut, der Weg durch unseren eigenen Betrieb hat die Arbeit gemacht. Eine Maschine kann fremdes Wissen erschließen, das eigene muss man selbst aufschreiben.