benjamin weinlich

Journal · Übersicht · Seite 4 von 16

Journal.

Alle Einträge, chronologisch. KI im Werkstattalltag, aus der Praxis einer freien Werkstatt. Lange Stücke und kurze Antworten auf echte Fragen aus dem Betrieb.

Ist alles beim Alten, wenn eine Änderung mit einer Fehlermeldung abbricht?

Beim Alten ist nach einer abgebrochenen Änderung nichts, das muss man jedes Mal nachsehen. Beim Umbau unserer Überwachung mit Uptime Kuma habe ich ein Feld im falschen Format zurückgeschickt, das Speichern brach mit einem Fehler ab, und trotzdem war die Alarm-Verknüpfung des Monitors danach gelöscht. Das Programm räumt erst auf und legt dann neu an, gescheitert ist nur der zweite Schritt. Ich habe hinterher alle neunundzwanzig Monitore nachgeprüft. Eine Fehlermeldung sagt, dass etwas nicht fertig wurde, nicht dass nichts passiert ist.

Woher weiß man, dass ein Alarm im Ernstfall wirklich ankommt?

Dass ein Alarm im Ernstfall wirklich ankommt, weiß man erst, wenn man ihn einmal absichtlich auslöst. Bei uns war das Dokumentenarchiv sieben Stunden nicht erreichbar, und Uptime Kuma blieb stumm: der Monitor war nie mit einem Meldekanal verknüpft, sein Zeitlimit stand auf null, und der E-Mail-Kanal selbst zeigte auf einen toten Anschluss. Drei Fehler auf einmal, und jeder einzelne hätte jede Warnung verhindert. Aufgeflogen ist das erst, als wir eine Testmeldung schickten und keine ankam. Eine Überwachung, die man nie testet, überwacht am Ende nur sich selbst.

Kann ein neues Programm einen Dienst lahmlegen, mit dem es nichts zu tun hat?

Ein neues Programm kann einen Dienst lahmlegen, mit dem es scheinbar nichts zu tun hat, sobald beide sich einen Server teilen. Unser Dokumentenarchiv lief zwölf Tage stabil und war dann sieben Stunden nicht erreichbar: Ein frisch installierter KI-Assistent belegte dauerhaft knapp zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, und dem Archiv fehlte genau der Puffer, mit dem es bis dahin über die Runden kam. Der Neustart dauerte eine Minute, das Verstehen einen Abend. Auf einer geteilten Maschine ändert jeder neue Mieter die Statik für alle anderen.

Warum meldete eine Überwachung keinen Ausfall, obwohl der Dienst stundenlang stand?

Eine Überwachung meldet keinen Ausfall, wenn ihre Prüfung kein Zeitlimit hat. Unser Dokumentenarchiv lag sieben Stunden am Boden, und der zuständige Monitor blieb die ganze Zeit auf grün: Sein Zeitlimit stand auf null, also wartete er sechs Stunden und neunundvierzig Minuten auf eine Antwort, statt aufzugeben und Alarm zu schlagen. Heute hat jede Prüfung achtundvierzig Sekunden Zeit, danach gilt sie als gescheitert. Wer nie aufgibt, meldet auch nie einen Fehler.

Größeren Server mieten oder den vorhandenen entlasten?

Bevor man einen größeren Server mietet, sollte man den vorhandenen entlasten. Unserem Server ging der Arbeitsspeicher aus, und die nächstgrößere Maschine bei Hetzner hätte statt sechsundzwanzig gut hundert Euro im Monat gekostet, weil der alte Bestandspreis beim Wechsel unwiderruflich verfällt. Stattdessen habe ich zwei Diensten überflüssige Arbeitsprozesse abgedreht und den Reservespeicher vergrößert: sechs Gigabyte wieder frei, Kosten null Euro. Die günstigste Kapazität ist die, die man schon bezahlt und nur schlecht nutzt.

21. Juli 2026 AI Meta

Warum ich dem einzigen Suchtreffer nicht glaubte

Meine Dateisuche fand den Passwort-Tresor der Firma nur an einem Ort: im Papierkorb. Hätte ich dem Treffer geglaubt, hätte ich gemeldet, die einzige Kopie liege dort, eine Alt-Version von Mitte Mai. Die aktuelle Datei lag in der Nextcloud, in einem Bereich, den meine Suche gar nicht erfasst hatte, weil er seine Inhalte erst bei Zugriff vom Server lädt. Statt den Fund zu melden, habe ich erst gefragt, wo meine Suche nicht hingeschaut hat. Eine Suche zeigt nur den Ausschnitt, den sie durchsucht hat, und wirkt dabei trotzdem vollständig.

Warum fehlten im nächtlichen Kundenexport ausgerechnet Telefon und E-Mail?

Im nächtlichen Kundenexport fehlten Telefon und E-Mail, weil dieser Export die Kommunikationsdaten schlicht nie mitzieht. Für unsere neue KI-Telefonannahme brauchte ich zu jeder anrufenden Nummer den passenden Kunden, und in der exportierten Tabelle standen zwar alle 7.495 Kunden, aber keine einzige Rufnummer. Erst über die zweite Schnittstelle von Loco-Soft kamen 5.764 Nummern zusammen. Eine Tabelle, die vollständig aussieht, ist damit noch lange nicht vollständig.

Was tut eine Telefon-KI, wenn eine Rufnummer zu mehreren Kunden gehört?

Wenn eine Rufnummer zu mehreren Kunden gehört, braucht die Telefon-KI eine feste Regel, sonst rät sie. Beim Aufbau der Kundentabelle fand ich 436 Nummern, die auf mehrere Datensätze zeigen, 929 Kunden sind betroffen: mal dieselbe Familie, mal völlig fremde Leute. Ich lasse jetzt den jüngsten Kontakt gewinnen, damit am Telefon der richtige Name erscheint. Ein Schlüssel, der nicht eindeutig ist, braucht eine Entscheidung und keine Vermutung.

Wie testet man eine amtliche Prüfung, ohne ein Siegel zu verbrauchen?

Eine amtliche Prüfung testet man, indem man einen echten Vorgang wieder auflöst, statt einen zu erfinden. Beim Umzug unserer AU-Software auf den neuen Rechner habe ich die verbuchte Untersuchung in AÜK Plus gelöscht, das gibt das Siegel frei, und die Messdaten vom Prüfgerät erneut geschickt, das verbraucht es wieder. Netto null, und die zentrale Datenbank erkennt den Datensatz an seiner Kennung wieder. Eine erfundene Untersuchung wäre offiziell gewesen, ein zweites Mal gegangener Weg ist nur ein Weg.

Was tut eine Automatik, wenn das Messgerät abends ausgeschaltet ist?

Wenn das Messgerät abends ausgeschaltet ist, tut eine gute Automatik gar nichts, und genau das ist die richtige Antwort. Unser Achsmessstand wird jede Minute abgefragt; ist er aus, schreibt der Ablauf eine ruhige Zeile ins Protokoll und beendet sich, ohne den Stand der Dinge zu verändern. Am nächsten Morgen holt er die offenen Messungen binnen einer Minute nach. Nicht erreichbar ist kein Fehler, und wer beides gleich laut meldet, erzieht seine Leute dazu, Alarme zu überlesen.

Soll ein neues Messprotokoll automatisch im Dokumentenarchiv landen?

Automatisch im Dokumentenarchiv landen sollte ein Messprotokoll nur, wenn klar ist, zu welchem Auftrag es gehört. Unser Achsmessstand liefert Zeitpunkt und eine Kennung, aber Kunde, Auftrag und Kilometerstand bleiben in seiner Schnittstelle immer leer, bei allen 122 Messungen im Bestand. Deshalb fügt der Ablauf die vier Berichte zusammen, druckt sie und schickt sie per Mail, und die Zuordnung macht ein Mensch. Ein Dokument ohne Bezug ist kein Archiv, sondern ein Fundbüro.

Wie holt man Messprotokolle aus einem Gerät, das keine Schnittstelle anbietet?

Aus einem Gerät ohne offizielle Schnittstelle holt man die Protokolle über dieselbe Oberfläche, die es selbst benutzt. Unser Achsmessstand druckt laut Anleitung nur auf einen lokalen Drucker, ist aber webbasiert, und hinter der Weboberfläche lagen 122 gespeicherte Messungen mit je vier PDF-Varianten. Ein kleiner Abholdienst zieht sie jetzt und schickt sie ins interne Postfach. Was ein Gerät dem Browser zeigt, kann es auch einem Programm zeigen.

Sollen Messprotokolle automatisch ins Dokumentenarchiv wandern?

Automatisch ins Dokumentenarchiv sollen Messprotokolle nur, wenn eine Zuordnung dranhängt. Beim Achsmessstand waren in allen 122 gespeicherten Messungen die Felder für Kunde, Auftrag und Kilometerstand leer, weil sie im Werkstattalltag niemand eintippt. Deshalb landen die Protokolle bei uns erst in einem Sammelpostfach und nicht im Archiv. Ein Archiv ohne Zuordnung ist nur ein schnellerer Weg, etwas zu verlieren.

Warum stoppte die nächtliche Verarbeitung, sobald sich jemand abmeldete?

Die nächtliche Verarbeitung stoppte, weil das Programm gar kein Systemdienst ist, sondern nur in der angemeldeten Sitzung läuft. An unserem Rechner für die Abgasuntersuchung hängen drei Bausteine, und nur einer davon, die Datenannahme, ist ein echter Dienst. Import und Druck starten erst mit der Anmeldung des Benutzers. Wer sich per Fernwartung abmeldet statt die Verbindung nur zu trennen, legt beides still. Seitdem gilt dort eine einzige Regel: trennen, nicht abmelden.

Warum fällt ein Dienst nach zwei Monaten Laufzeit plötzlich komplett aus?

Nach zwei Monaten Laufzeit fällt ein Dienst oft deshalb aus, weil eine Voreinstellung langsam vollgelaufen ist. Unser Mailserver nahm keine Verbindung mehr an, obwohl der Container als laufend gemeldet war. Die Voreinstellung im Docker-Image erlaubte 1024 gleichzeitig geöffnete Dateien, und genau 1024 waren belegt. Wir haben das Limit auf fünfundsechzigtausend gesetzt, danach waren es zweiundzwanzig. Eine Voreinstellung ist für den ersten Testlauf gedacht, nicht für den Dauerbetrieb.

Woran merkt man, dass eine Software längst im Netzwerk lief und nicht auf dem Rechner?

Dass eine Software längst im Netzwerk lief, merkt man an ihrer gemeinsamen Konfigurationsdatei. Wir haben unsere Abgasuntersuchungs-Software auf einen neuen Rechner gezogen, sauber lokal installiert, und erst danach den alten Ordner auf dem Server geöffnet: Datenbank, Lizenz und die Schreibspuren von drei Arbeitsplätzen, bis in diesen Juli hinein. Wir waren also von Mehrplatz auf Einzelplatz umgezogen, ohne es zu wissen, und mussten zurück. Vor jedem Umzug steht die Frage, wo die Daten heute wirklich liegen.

Wie zieht man eine lizenzierte Fachsoftware auf einen neuen PC um?

Eine lizenzierte Fachsoftware zieht man am besten über ihr eigenes Sicherungswerkzeug um, nicht über die alte Festplatte. Bei unserer AU-Software wollte ich schon die ganze Windows-Platte in den Ersatzrechner hängen, bis ich merkte: die eingebaute Datensicherung nimmt die Lizenzdatei mit. Also alten Rechner sichern, neuen sauber aufsetzen, die achtzig Megabyte große Demoversion installieren, rücksichern, fertig. Bevor man den schweren Weg geht, lohnt der Blick, ob der Hersteller den leichten schon eingebaut hat.

Muss ein Messgerät selbst drucken können, damit sein Protokoll auf Papier kommt?

Selbst drucken muss ein Messgerät dafür nicht. Unser Achsmessstand auf dem Platz kann laut Anleitung nur an einen direkt angeschlossenen Drucker ausgeben, und ich habe zwei Tage damit verbracht, ihm den Netzwerkdrucker beizubringen. Dabei liefert das Gerät seine Protokolle längst als PDF über eine eigene Weboberfläche. Heute öffnet der Kollege an der Annahme diese Seite im Browser und druckt das Protokoll von dort auf den Canon. Nicht jedes Gerät muss alles können, wenn ein anderes in der Kette es schon kann.

Warum kam am neuen Werkstatt-PC nichts an, obwohl er im Netz war?

Am neuen Werkstatt-PC kam nichts an, weil das Messgerät immer noch auf den alten zeigte. Unser Abgastester von Hella Gutmann sendet die Prüfdaten an einen fest eingetragenen Ziel-Rechner, und die AU-Software auf dem neuen PC wartete auf etwas, das nie losgeschickt wurde. Statt dem Neuen heimlich die Adresse des Alten unterzuschieben, habe ich am Gerät selbst vier Einstellungen umgestellt: Ziel, Sendeart, Netzwerk und Ziel-Adresse. Wer einen Rechner ersetzt, muss auch fragen, wer noch auf den alten zeigt.

Kann das Prüfgerät selbst die Ursache eines Fehlers sein?

Das Prüfgerät kann sehr wohl die Ursache sein, und dann sucht man tagelang am falschen Ende. Ich war überzeugt, unser WLAN filtere die Druckersuche weg, und habe am Gateway extra einen Dienst nachgerüstet, damit die Geräte wieder gefunden werden. Dann habe ich mit dem Diensthandy gegengeprüft: alle drei Drucker sofort da. Auf meinem Laptop liefen neun VPN-Tunnel, die jede Suchanfrage abfingen. Den nachgerüsteten Dienst habe ich wieder abgebaut. Wer misst, misst immer auch sein Messgerät.