benjamin weinlich
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#Selfhosting

34 Beiträge zu diesem Thema, neueste zuerst.

Woran darf eine Sperr-Automatik einen fehlgeschlagenen Login erkennen?

Einen fehlgeschlagenen Login darf eine Sperr-Automatik nur an einem Muster erkennen, das bei Erfolg sicher anders aussieht. Nach einem Angriff mit 2.743 Anfragen auf unsere Anmeldeseiten wollte ich zuerst jeden Zugriff auf eine zweite Schnittstelle mitzählen. Diese Regel hätte den ganz normalen Verkehr eines Zusatzdienstes gesperrt, denn dort antwortet der Server bei Fehler und Erfolg gleich. Jetzt sperre ich nach fünf Fehlversuchen in zehn Minuten, aber nur bei einem Muster, das ein Erfolg nie erzeugt. Wer automatisch aussperrt, muss den Unterschied beweisen können, nicht vermuten.

Muss man nach einer DNS-Änderung wirklich zwei Tage warten?

Nach einer DNS-Änderung muss man in aller Regel keine zwei Tage warten, das ist ein Überbleibsel aus alten Zeiten. Als ich einen Bestätigungseintrag für eine Domain gesetzt habe, hatten die drei ausgelagerten Nameserver ihn nach rund zwanzig Sekunden. Entscheidend ist die Gültigkeitsdauer, die man selbst vorgibt, nicht ein pauschaler Erfahrungswert aus dem Internet. Wer die eigenen Einstellungen kennt, muss nicht auf eine Faustregel hoffen.

Warum zeigt dasselbe Programm im einen Browser alle Daten und im anderen nichts?

Dass dasselbe Programm im einen Browser alles zeigt und im anderen nichts, liegt fast immer am Rechner davor, nicht am Server. Bei unserem Passwort-Tresor Vaultwarden hatte sich die Erweiterung im einen Browser still auf die Juli-Fassung aktualisiert, im anderen lief noch die vom Juni. Die neuere stolperte über ein altes Feld: leere Liste, kein Fehler, Anmeldung ganz normal. Deshalb führte die Suche im Protokoll ins Leere, es gab dort nichts zu finden. Wenn zwei gleiche Arbeitsplätze sich verschieden verhalten, steckt die Ursache in dem, was sie unterscheidet.

Beweist ein grünes Backup, dass die Kopie auch außer Haus liegt?

Ein grünes Backup beweist nicht, dass die Kopie außer Haus liegt, sondern nur, dass die Sicherung geschrieben wurde. Bei uns lief der Job monatelang sauber, während die Übertragung auf den externen Speicher stillstand, weil der Schlüssel dort nicht mehr akzeptiert wurde. Aufgefallen ist es erst beim Nachziehen: 107 Gigabyte auf einen Schlag. Seitdem meldet nicht nur jeder Job, sondern auch jeder Transfer, dass er angekommen ist. Erst die Kopie am zweiten Ort ist die Sicherung.

Alles auf den einen großen Server ziehen oder verteilt bleiben?

Alles auf den einen großen Server zu ziehen wäre billiger gewesen, und trotzdem bleiben wir verteilt. Wir haben bei Hetzner ein gebrauchtes Blech mit 256 GB Arbeitsspeicher für hundertneun Euro im Monat gemietet, ein Vielfaches unserer kleinen Cloud-Maschine fürs gleiche Geld. Aber ein einzelner Rechner ist ein einzelner Ausfallpunkt, fällt er, fällt alles. Also bleibt der Zugang zur Außenwelt auf der Cloud, das Blech trägt nur die schweren Lasten. Der günstigste Server wird teuer, wenn an ihm allein der ganze Betrieb hängt.

Kann ein neues Programm einen Dienst lahmlegen, mit dem es nichts zu tun hat?

Ein neues Programm kann einen Dienst lahmlegen, mit dem es scheinbar nichts zu tun hat, sobald beide sich einen Server teilen. Unser Dokumentenarchiv lief zwölf Tage stabil und war dann sieben Stunden nicht erreichbar: Ein frisch installierter KI-Assistent belegte dauerhaft knapp zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, und dem Archiv fehlte genau der Puffer, mit dem es bis dahin über die Runden kam. Der Neustart dauerte eine Minute, das Verstehen einen Abend. Auf einer geteilten Maschine ändert jeder neue Mieter die Statik für alle anderen.

Größeren Server mieten oder den vorhandenen entlasten?

Bevor man einen größeren Server mietet, sollte man den vorhandenen entlasten. Unserem Server ging der Arbeitsspeicher aus, und die nächstgrößere Maschine bei Hetzner hätte statt sechsundzwanzig gut hundert Euro im Monat gekostet, weil der alte Bestandspreis beim Wechsel unwiderruflich verfällt. Stattdessen habe ich zwei Diensten überflüssige Arbeitsprozesse abgedreht und den Reservespeicher vergrößert: sechs Gigabyte wieder frei, Kosten null Euro. Die günstigste Kapazität ist die, die man schon bezahlt und nur schlecht nutzt.

Warum fällt ein Dienst nach zwei Monaten Laufzeit plötzlich komplett aus?

Nach zwei Monaten Laufzeit fällt ein Dienst oft deshalb aus, weil eine Voreinstellung langsam vollgelaufen ist. Unser Mailserver nahm keine Verbindung mehr an, obwohl der Container als laufend gemeldet war. Die Voreinstellung im Docker-Image erlaubte 1024 gleichzeitig geöffnete Dateien, und genau 1024 waren belegt. Wir haben das Limit auf fünfundsechzigtausend gesetzt, danach waren es zweiundzwanzig. Eine Voreinstellung ist für den ersten Testlauf gedacht, nicht für den Dauerbetrieb.

8. Juli 2026 Frage

Was tut man mit einem Programm, das im Laufe des Tages immer mehr Speicher frisst?

Einem Programm, das immer mehr Speicher frisst, setzt man eine feste Grenze, statt auf einen Fix zu warten. Unser Dokumentenarchiv wurde am Tresen unbenutzbar, mit Antwortzeiten von 33 Sekunden, weil ein einzelner Serverprozess über Stunden auf sieben Gigabyte anwuchs und den ganzen Server mit sich zog. Der Fehler ist dem Hersteller bekannt und derzeit nicht behebbar, also bekam der Docker-Container eine Speichergrenze, und jeder Arbeitsprozess wird automatisch ersetzt, sobald er zu groß wird. Manche Fehler kann man nicht reparieren, nur einzäunen.

7. Juli 2026 Frage

Was tut man gegen einen Fehler, den der Hersteller selbst nicht beheben kann?

Gegen einen Fehler, den der Hersteller selbst nicht beheben kann, hilft kein Warten auf ein Update, sondern eine Grenze, hinter der er keinen Schaden mehr anrichtet. Bei unserer Dokumentenablage über Docker wuchs ein einzelner Dienst auf sieben Gigabyte und riss den ganzen geteilten Server in die Knie, Last bis 118, das Öffnen eines Belegs dauerte 33 Sekunden. Der Fehler ist bekannt und nicht zu flicken, also gab ich dem Dienst eine feste Speichergrenze und einen nächtlichen Neustart. Was man nicht reparieren kann, sperrt man ein, bevor es die Nachbarn mitreißt.

Kann man die alte Internet-Adresse kündigen, sobald die Weiterleitung steht?

Die alte Internet-Adresse kann man nicht kündigen, sobald die Weiterleitung steht, denn die Weiterleitung lebt genau von dieser Adresse. Als ich Ende Juni die alte Marken-Seite stillgelegt habe, blieben Namensauflösung, Zertifikat und der Eintrag im Nginx-Container bewusst bestehen, nur die Inhalte sind weg. Fehlt eines davon, landet der Besucher bei einer Sicherheitswarnung oder im Nichts statt auf der neuen Seite. Eine Weiterleitung ist kein Abschied, sondern ein Schild, das jemand halten muss.

Warum bemerkt man manche Fehler erst, wenn ein Neuer dazukommt?

Manche Fehler bemerkt man erst, wenn ein Neuer dazukommt, weil alle anderen längst eingeloggt sind und aus dem Zwischenspeicher weiterlaufen. Bei unserem selbst gehosteten Chat über Matrix und Element kam kein frischer Login mehr durch die Startseite, jede bestehende Sitzung lief munter weiter, sodass tagelang niemand etwas merkte. Schuld war ein einziger Signaturschlüssel in einem Format, das der Browser beim Start nicht lesen konnte. Wer ein System nur mit dem eigenen, längst eingerichteten Zugang prüft, sieht genau die Tür nicht, durch die der Nächste hereinkommt.

Kann man ein vergessenes Master-Passwort nachschlagen?

Ein vergessenes Master-Passwort kann man nirgends nachschlagen, auch nicht als Administrator. Bei Vaultwarden liegt es nie im Klartext, der Server kennt nur einen Hash mit sechshunderttausend Iterationen, aus dem erst auf dem Gerät der Schlüssel abgeleitet wird. Ich habe lange auf dem Server gesucht und musste am Ende einsehen, dass es schlicht nicht abrufbar ist, weil es so gebaut wurde. Genau das ist der Sinn: Was niemand auslesen kann, kann auch niemand stehlen.

Reicht es, ein öffentliches Repository auf privat zu stellen?

Ein öffentliches Repository auf privat zu stellen reicht nicht, man muss prüfen, ob Suchmaschinen es schon gespeichert haben, solange es offen war. Nachdem ich alle Forgejo-Repos privat gestellt hatte, habe ich es mit vier unabhängigen Prüfungen kontrolliert: Exakt-Suchen nach den einmaligen Repo-Namen, die anonyme Übersichtsseite und der direkte Aufruf, der jetzt mit 404 antwortet. Alle vier waren negativ. Privat schalten ist der erste Schritt, nachsehen, was schon nach draußen gelangt ist, der zweite.

Ist ein selbst gehosteter Dienst automatisch nur für die eigenen Leute zugänglich?

Automatisch nur für die eigenen Leute zugänglich ist ein selbst gehosteter Dienst nicht, eine App ohne ausdrückliche Zugriffsregel steht jedem offen. Beim Aufbau unseres Matrix-Support-Systems fiel mir auf, dass vierzehn Anwendungen hinter Authentik ohne Richtlinien-Bindung liefen, und manche legten bei der ersten Anmeldung sogar selbst ein Konto an. Ich habe eine Gruppe externe gebaut und allen vierzehn bis auf eine eine Sperre verpasst. Was keine Regel hat, hat als Regel: alle dürfen herein.

9. Juni 2026 Frage

Braucht ein Firmen-Wiki ein eigenes Programm?

Ein Firmen-Wiki braucht kein eigenes Programm, wenn man eines hat, das ohnehin schon läuft. Für unser Mitarbeiterhandbuch stand BookStack zur Wahl, ein eigener Dienst mit eigener Pflege. Stattdessen habe ich in unserer vorhandenen Nextcloud die App Collectives aktiviert, eine von drei an einem Nachmittag, ohne neuen Container und ohne neue Anmeldung. Jeder Dienst, den ich nicht aufsetze, ist einer, den ich nachts nicht reparieren muss.

27. Mai 2026 Frage

Taugt das Werkstatt-Programm als zentrale Dokumentenablage?

Als zentrale Dokumentenablage taugt unser Werkstatt-Programm nicht. Loco-Soft hat auf dem Server nur fünf Gigabyte frei, der TWAIN-Scanner läuft unter Windows 11 nicht mehr, und für jeden Beleg muss man erst den Kunden öffnen und das Bild von Hand kopieren. Deshalb liegen die Belege jetzt in einem eigenen Dokumentensystem, sauber durchsuchbar und von überall erreichbar. Ein Programm ist gut in dem, wofür es gebaut wurde, und nur darin.

19. Mai 2026 Frage

Sagt eine Fehlermeldung immer, wo der Fehler wirklich liegt?

Eine Fehlermeldung sagt nicht immer, wo der Fehler wirklich liegt. Eine iOS-App verweigerte die Verbindung zu meinem Paperless und meldete, das Backend unterstütze die nötige API-Version drei nicht. Tatsächlich spricht meine Version die API-Stufen eins bis sieben, die drei war also längst dabei und der Haken saß ganz woanders. Eine Meldung zeigt, was ein Programm gerade vermutet, nicht zwingend, was kaputt ist.

16. Mai 2026 Frage

Warum rebootet ein Server, an dem niemand etwas geaendert hat?

Ein Server, an dem niemand etwas geaendert hat, rebootet meist, weil etwas Vergessenes im Hintergrund Amok laeuft. Bei uns war es ein alter Entwicklungs-Dienst fuer Directus, der sein Arbeitsverzeichnis nicht mehr fand und sich deshalb neu startete, wieder und wieder, ueber fuenfundsiebzigtausend Mal. Das frass den Speicher, bis die Maschine von selbst neu startete. Im Log stand alles, man musste nur nachsehen. Ein abgeschalteter Dienst ist erst dann wirklich tot, wenn ihn niemand mehr neu startet.

13. Mai 2026 Frage

Woran erkennt man, ob eine Software noch gepflegt wird?

Ob eine Software noch gepflegt wird, erkennt man am Versionsverlauf, nicht an einem einzelnen Forenbeitrag. Bei der Suche nach einer Handy-App für unser Dokumentenarchiv Paperless las ich, das Android-Programm sei seit dem vergangenen Herbst aufgegeben. Die Veröffentlichungsseite zeigte aber Version 4.5.0 vom April, also ganz frische Arbeit. Erst der Blick auf die echten Releases, nicht auf das Gerücht, hat die Frage entschieden. Wer ein Werkzeug einführt, schaut auf das, was geliefert wird, nicht auf das, was jemand behauptet.

9. Mai 2026 Frage

Warum betreibt eine Werkstatt ihre E-Mail und Passwörter selbst?

Damit ihr niemand den Stecker ziehen kann. Wir haben Mail, Passwortverwaltung, Dateien und Projektverwaltung, bei uns Stalwart, Vaultwarden, Nextcloud und OpenProject, auf eigene Server geholt. Das ist mehr Arbeit als alles zu mieten, denn Sicherungen und Aktualisierungen liegen dann bei mir. Aber was man mietet, kann einem gekündigt oder verteuert werden. Eigentum ist ein Tausch von Bequemlichkeit gegen Unabhängigkeit.

Warum lagen plötzlich mehrere fast gleich benannte Nextcloud-Ordner auf meinem Rechner?

Mehrere fast gleich benannte Nextcloud-Ordner lagen auf meinem Rechner, weil nach einem Umbau des Speichers die alten Sync-Konten nicht von selbst verschwinden. Nach dem Wechsel auf den neuen S3-Speicher hatte ich vier veraltete Ordner neben dem aktuellen, jeder mit fast demselben Namen und altem Inhalt. Fast hätte ich in einer toten Kopie weitergearbeitet. Seitdem prüfe ich vor jeder Änderung, welcher Pfad wirklich der lebende ist. Der gefährlichste Ordner ist der, der aussieht wie der richtige.