Lohnt es sich, ein Ladegerät zu reparieren, dessen Hersteller es nicht mehr gibt?
Ein Ladegerät zu reparieren, dessen Hersteller es nicht mehr gibt, lohnt sich, denn sonst wird aus einem Fehler ein Totalschaden. Nach der Insolvenz von Energica gibt es für den Charger Manager keine Ersatzteile und keinen Support mehr, also lese ich die Konfiguration eines funktionierenden QCA7000-Moduls aus, statt das Gerät wegzuwerfen. Ich gehe dabei nur lesend vor und schreibe nichts Unwiderrufliches, bevor ich nicht eine Sicherung habe. Wer reparieren darf, bleibt unabhängig; wer nur tauschen kann, ist ausgeliefert.
Muss eine Ladesäule mit einem Cloud-Dienst sprechen, um zu laden?
Mit einem Cloud-Dienst sprechen muss eine Ladesäule nicht, um zu laden, der Strom fließt auch ohne fernes Backend. Unsere Delta-Wallbox stand monatelang still, weil ihr früherer Betreiber den Server dahinter abgeschaltet hatte. Per SSH habe ich den Authentifizierungs-Modus auf No Authentication gestellt, und beide Ladepunkte, jeder mit eigener Seriennummer, luden sofort wieder. Ein Gerät, das für seine Kernaufgabe einen fremden Server braucht, gehört einem nur halb.
Warum sperrt ein Passkey, der nur im iPhone liegt, am Windows-PC aus?
Ein Passkey, der nur im iPhone liegt, sperrt am Windows-PC aus, weil er das Apple-Ökosystem nie verlässt. Bei uns hatte ein Mitarbeiter in Authentik als einzige Anmeldemethode einen Apple-Passkey hinterlegt, und am Windows-Rechner bot ihm das System nur den QR-Code für den Geräte-Wechsel an, der zuverlässig nicht funktionierte. Ich habe den Schlüssel gelöscht und auf eine geräteunabhängige Methode umgestellt. Ein zweiter Faktor, der nur an einem Gerät lebt, ist kein Zugang, sondern eine Falle.
Wird KI die Lage für kleine Betriebe erst besser oder erst schlechter machen?
Ehrlich gesagt erst schwieriger. Die Übergangszeit wird hart, und auf die großen Umbrüche hat noch niemand eine fertige Antwort, auch keine Regierung. Wer jetzt Unabhängigkeit aufbaut, durch Wissen, Eigentum und Fähigkeiten, die eine Maschine braucht statt ersetzt, steht danach fester. Warten ist keine Strategie, nur Aufschub.
Muss ein Werkstattchef die Arbeit selbst können?
Er sollte sie kennen, aus den Fingern. Wer nie selbst am Fahrzeug stand, entscheidet über etwas, das er nur vom Hörensagen kennt. Genau deshalb mache ich die Ausbildung mit, neben der Geschäftsführung. Führen heißt nicht, über der Arbeit zu stehen, sondern sie zu verstehen.
Was hat Right to Repair mit der eigenen IT zu tun?
Alles. Was ich nicht öffnen, verstehen und reparieren kann, besitze ich nicht, am Fahrzeug wie bei der Software. Deshalb baue ich Systeme aus Teilen, die ich im Schadensfall einzeln verstehe und austausche. Ein undurchschaubares Ganzes besitzt man nur scheinbar.
Warum betreibt eine Werkstatt ihre E-Mail und Passwörter selbst?
Damit ihr niemand den Stecker ziehen kann. Wir haben Mail, Passwortverwaltung, Dateien und Projektverwaltung, bei uns Stalwart, Vaultwarden, Nextcloud und OpenProject, auf eigene Server geholt. Das ist mehr Arbeit als alles zu mieten, denn Sicherungen und Aktualisierungen liegen dann bei mir. Aber was man mietet, kann einem gekündigt oder verteuert werden. Eigentum ist ein Tausch von Bequemlichkeit gegen Unabhängigkeit.
Woran merkt man, dass man seine Arbeitsgrundlage nur gemietet hat?
An dem Tag, an dem ein Anbieter die Preise verdoppelt, einen Dienst einstellt oder ein Konto sperrt. Solange alles läuft, fällt es nicht auf. Genau deshalb haben wir die wichtigen Werkzeuge ins eigene Haus geholt. Wer seine Grundlage besitzt, ist an weniger Stellen erpressbar.
Eine Werkstatt, die ihre eigene IT besitzt.
Wir haben unsere E-Mail, unsere Passwörter, unsere Dateien und unsere Werkzeuge auf eigene Server geholt. Das ist mehr Arbeit, als alles zu mieten. Es ist auch der Grund, warum uns niemand den Stecker ziehen kann.
WeiterlesenIst KI für die kleine Werkstatt Bedrohung oder Chance?
Eine Chance auf Augenhöhe, wenn man sie selbst in die Hand nimmt. Dasselbe Werkzeug, das einem Konzern hilft, hilft auch dem Betrieb mit fünfzehn Leuten. Bei uns pflegt es den Bestand und beschreibt die Bilder, Aufgaben, für die früher eine ganze Abteilung nötig war. Gefährlich wird KI nur für den, der wartet, bis sie ihm jemand verkauft.
Warum dokumentiert man die eigene Infrastruktur?
Weil sie einem sonst nicht wirklich gehört. Was nicht dokumentiert ist, gehört dem, der es zuletzt angefasst hat, und der ist vielleicht weg. Wir haben Netzwerk, Server und Zugänge sauber aufgeschrieben. Eine Topologie auf Papier ist ein Stück Unabhängigkeit, gerade im Kleinbetrieb.