benjamin weinlich

Journal · Übersicht · Seite 2 von 22

Journal.

Alle Einträge, chronologisch. KI im Werkstattalltag, aus der Praxis einer freien Werkstatt. Lange Stücke und kurze Antworten auf echte Fragen aus dem Betrieb.

Warum bekommt ein Gerät keine Adresse, obwohl es im WLAN angemeldet ist?

Wenn ein Gerät im WLAN angemeldet ist und trotzdem keine Adresse bekommt, verwirft oft ein Filter still die Antwort. Die Basisstation unserer eufy-Kameras hing bei uns stundenlang in dieser Schleife. Unser Server bot ihr eine Adresse an, aber der UniFi-Zugangspunkt warf die Antwort weg, weil ein Broadcast-Filter eingeschaltet war. Die Kameras im selben Netz liefen, weil sie ihre Anfrage anders stellen, und genau das hat uns in die falsche Richtung geschickt. Ohne den Filter kam die Adresse sofort. Dass die Geräte daneben laufen, beweist nicht, dass die Einstellung stimmt.

Hilft eine 5G-Ersatzleitung, wenn das Internet ständig ruckelt?

Gegen ein ruckelndes Internet hilft eine 5G-Ersatzleitung kaum, denn sie springt erst ein, wenn die Hauptleitung wirklich ausfällt. Unsere Fritz!Box kann ab einer bestimmten Softwareversion auf einen angeschlossenen 5G-Router umschalten. Die schwankenden Laufzeiten von bis zu 168 Millisekunden, die unsere Telefonate stören, lösen diese Umschaltung aber gar nicht aus. Dazu kommt: Der Mobilfunkvertrag bringt keine eigene öffentliche Adresse mit, im Notbetrieb wären Fernzugang und Portfreigaben also weg. Eine Ersatzleitung ist ein Rettungsboot, kein stärkerer Motor.

Darf man die IT rund ums Werkstatt-Programm nach eigenem Geschmack bauen?

Die IT rund ums Werkstatt-Programm baut man nicht nach eigenem Geschmack, sondern nach den Vorgaben des Herstellers. Ich hatte unsere Drucker gerade zentral über einen Druckserver an alle Plätze verteilt, und am nächsten Morgen las ich im Netzwerk-Leitfaden von Loco-Soft, dass genau davon dringend abgeraten wird. Dort steht auch, dass ein normaler Windows-Rechner als Server nur bis vier Arbeitsplätze trägt, und unsere gewachsene Aufstellung verstößt gleich an mehreren Stellen dagegen. Was technisch läuft, ist im Supportfall trotzdem nicht abgesegnet.

Lohnt sich der Umstieg auf eine eigene Open-Source-Telefonanlage?

Der Umstieg auf eine eigene Open-Source-Telefonanlage lohnt sich bei uns im Moment nicht, so verlockend die Idee ist. Als ich die Ablösung unserer AGFEO geprüft habe, steckte der Aufwand nicht in der Software, sondern auf den Schreibtischen: Unsere Systemtelefone laufen nur an dieser einen Anlage, zehn bis zwanzig Nebenstellen hätten neue Geräte gebraucht, und jeder Kollege hätte umlernen müssen. Die Aussetzer kamen ohnehin aus der Leitung, und die trifft jede Anlage gleich. Wer eine Anlage tauschen will, tauscht in Wahrheit alles, was an ihr hängt.

Soll man Passwörter im Betrieb nach Abteilung oder nach Risiko freigeben?

Passwörter im Betrieb gibt man besser nach Risiko frei als nach Abteilung. Beim Aufräumen unseres Vaultwarden mit 405 Einträgen haben wir fünf Stufen gebaut: Hersteller-Portale und Teilehändler sehen alle elf Mitarbeiter, Banking und Behörden nur die Buchhaltung, die IT-Zugänge nur die Geschäftsführung. Eine eigene Gruppe für die Werkstatt brauchten wir danach gar nicht mehr. Entscheidend ist nicht, wer wo sitzt, sondern welcher Schaden entsteht, wenn ein Zugang in die falschen Hände gerät.

Warum findet man für Prüffristen in der Werkstatt kaum passende kostenlose Software?

Passende kostenlose Software für Prüffristen findet man kaum, weil die Prüfmittelverwaltung eine deutsche Nische zwischen Inventar- und Wartungsprogrammen ist. Ich habe vier Open-Source-Programme geprüft, und keines passte. Das bekannteste kennt pro Gerät nur eine einzige Frist, dabei braucht eine Hebebühne die UVV-Prüfung und die elektrische Prüfung nach DGUV V3 nebeneinander. Ein anderes sperrte schon das Hochladen von Dateien hinter eine Lizenz. Wo nur Kaufsoftware eine Lücke füllt, lohnt es sich, genau aufzuschreiben, was wirklich fehlt, bevor man sich entscheidet.

Braucht ein Serverschrank im Keller gleich eine Klimaanlage?

Eine Klimaanlage braucht ein Serverschrank im Keller nicht von Anfang an, das entscheidet erst die Messung. Bei unserer Serverablösung zieht der alte große Server in ein anderes Gebäude. Im Keller bleibt dann kaum ein halbes Kilowatt Abwärme. Ein belüfteter Schrank kostet rund 1.100 bis 4.100 Euro, die Variante mit Kühlung 4.600 bis 7.200 Euro. Also kommt zuerst der belüftete Schrank, über den Sommer messen wir Temperatur und Feuchte, und gekühlt wird nur, wenn die Kurve es verlangt. Nachrüsten kostet weniger als eine Kühlung, die man nie gebraucht hätte.

Liegt ein abgebrochenes Telefonat an der Telefonanlage oder an der Internetleitung?

Ob ein abgebrochenes Telefonat an der Telefonanlage oder an der Internetleitung liegt, zeigt die einfachste Probe: Bricht auch ein internes Gespräch ab, sind es die Anlage oder das Endgerät. Reißen nur Gespräche nach draußen ab, ist es die Leitung. Bei uns hat eine Woche Messung beides zugleich gezeigt. Auf der Leitung gab es 915 Störungen, daneben zehn kurze Aussetzer der Anlage selbst, während die Leitung sauber war. Wer nur nach einer Ursache sucht, findet auch nur eine.

Was muss man vor dem Umstieg auf einen Terminalserver unbedingt testen?

Vor dem Umstieg auf einen Terminalserver muss man die Handgriffe testen, die im Alltag wirklich vorkommen, nicht nur die Funktionsliste. Bei uns arbeiten acht bis zehn Leute gleichzeitig in Loco-Soft. Fahrzeugfotos ziehen sie einfach mit der Maus aus dem Explorer in die Kundenakte. Genau dieses Ziehen wird offiziell nicht unterstützt, wenn das Programm auf dem Server läuft. Deshalb ist es im Pilot ein Pflichttest mit echtem Client und einem Plan B. Eine Umstellung scheitert selten am großen Plan, sondern am Handgriff, den niemand aufgeschrieben hat.

Lernt man ein neues System besser mit einer ausführlichen Erklärung oder mit den nächsten zwei Klicks?

Ein neues System lernt man besser mit den nächsten zwei Klicks als mit einer ausführlichen Erklärung vorweg. Ich wollte bei uns einen Drucker per Gruppenrichtlinie an die Windows-Rechner verteilen und ließ mir von der KI zuerst Verknüpfung, Sicherheitsfilterung und Zielgruppenadressierung erklären, eine ganze Tabelle voller Begriffe, von der nichts hängenblieb. Dann schickte ich einen Screenshot, bekam genau die zwei fehlenden Klicks genannt, und der Drucker war da. Theorie versteht man leichter, wenn man sie einmal selbst ausgelöst hat.

Wer liest eigentlich die Backup-Berichte, wenn der IT-Betreuer gewechselt hat?

Die Backup-Berichte las bei uns nach dem Wechsel immer noch der frühere IT-Betreuer, jeden Tag, nur wir selbst nicht. Aufgefallen ist das, weil jemand sagte, wir bekämen keine Backup-Mail mehr. Bei der Bestandsaufnahme fand ich drei getrennte Sicherungsstränge, einer davon stand seit dem 8. August still, und den Hauptzugang zur Sicherungsmaschine hat bis heute nur er. Wer den Betreuer wechselt, übergibt nicht nur die Schlüssel, sondern auch die Frage, wem die Maschinen Bescheid sagen.

Warum kommen die Berichtsmails des eigenen Servers nie im Posteingang an?

Die Berichtsmails des eigenen Servers kommen nicht an, weil der Empfänger sie zwar annimmt und danach still aussortiert. In einem Betrieb hieß es seit Wochen, es komme keine Sicherungs-Mail mehr. Der Postfix auf dem Gateway hat jeden Abend zugestellt, Microsoft 365 quittierte täglich mit einem sauberen 250, doch der Absender war im SPF-Eintrag der Domain nicht erlaubt. Die Berichte lagen in der Quarantäne. Angenommen ist nicht dasselbe wie gelesen.

Warum startet unser Werkstatt-Programm nach einem Neustart nicht mehr?

Nach einem Neustart startet ein Dienst meist nicht, weil er zu früh dran war, nicht weil etwas kaputt ist. Der Loco-Soft-Serverdienst blieb bei uns nach dem Hochfahren aus, mit der Meldung Kennwort ungültig. Das Kennwort stimmte, der Server hatte beim Start nur noch keine Verbindung zum Anmeldedienst und konnte das Dienstkonto nicht prüfen. Verzögerter Start und drei Wiederholversuche haben es behoben. Bevor man am Passwort dreht, sollte man fragen, ob die Reihenfolge stimmte.

Warum half es nicht, viermal eine neue Sicherungsplatte zu kaufen?

Viermal eine neue Sicherungsplatte zu kaufen half nicht, weil der Fehler nie in der Platte saß, sondern im Weg dorthin. Seit März kamen bei uns vier neue USB-Platten, trotzdem stand die nächtliche Serversicherung seit dem 8. August still. Das Protokoll zeigte, dass die Platte an einem einzigen Tag rund 550 Mal getrennt und neu erkannt wurde, ein Aussetzer in der Durchreichung zum virtuellen Server. Jeder Mechaniker kennt das vom Sensor, der dreimal getauscht wird, obwohl der Kabelbaum schuld ist.

Wohin schreibt man eine Anleitung, die alle Mitarbeiter lesen sollen?

Eine Anleitung, die alle Mitarbeiter lesen sollen, schreibt man dorthin, wo sie ohnehin jeden Tag hinschauen. Ich hatte unsere Anleitung zum Dokumentenarchiv zuerst in die Versionsverwaltung gelegt, sauber geschrieben und trotzdem wirkungslos, denn keiner meiner fünfzehn Mitarbeiter öffnet Forgejo. Jetzt steht sie im Mitarbeiterhandbuch in Nextcloud, direkt neben den Ordnern, die den ganzen Tag offen sind. Eine Dokumentation am falschen Ort ist keine Dokumentation, sondern ein Selbstgespräch.

Reicht eine Vermutung, um beim Internetanbieter eine Störung zu reklamieren?

Eine Vermutung reicht nicht, man braucht eine Messung, die Zeitpunkt und Ausmaß festhält. Unser Internet war seit Mitte Juli immer wieder zäh, aber einundfünfzig Tage lang hat niemand gemessen, weil das alte Prüfskript keine echte Systemd-Unit war und nach sechs Stunden von selbst ausstieg. Seit es als Dienst mit Neustart-Garantie läuft und alle zehn Sekunden Verlust, Latenz und Jitter mitschreibt, standen nach anderthalb Stunden sechs belegte Störungen im Protokoll, darunter zehn Prozent Paketverlust. Wer nicht misst, verhandelt mit Gefühlen.

Hilft ein Neustart der Telefonanlage, wenn mehrere Kollegen Störungen melden?

Ein Neustart der Telefonanlage hilft nicht, solange niemand geprüft hat, ob sie überhaupt krank ist. Bei uns hieß es morgens, die Anlage sei ausgefallen; in Wahrheit hing ein einzelnes WLAN-Handset draußen am Platz zwischen drei Funkzellen und meldete sich bei jedem Wechsel komplett neu an. Die Anlage selbst war in unter einer Minute freigemessen, Erreichbarkeit, Oberfläche und Telefonie-Port antworteten alle drei sauber. Der Neustart hat nichts repariert, weil nichts kaputt war. Wer zuerst die große Kiste neu startet, verliert die Spur zum kleinen Gerät.

Beweist eine unveränderte Antwortzeit, dass eine Maßnahme nichts gebracht hat?

Eine unveränderte Antwortzeit beweist nicht, dass die Maßnahme nichts gebracht hat, sondern oft nur, dass man das Falsche gemessen hat. Nach dem Umbau des Funknetzes für unser Werkstatt-Telefon lag die Ping-Zeit vorher bei 169 und nachher bei 174 Millisekunden, also praktisch gleich. Ein Ping läuft aber als gewöhnlicher Verkehr, während das Gespräch bevorzugt behandelt wird; die Verbesserung konnte in dieser Zahl gar nicht auftauchen. Belastbar war erst der Testanruf beim Gang über den Platz. Eine ehrliche Zahl zur falschen Frage bleibt eine falsche Antwort.

Ist die Telefonanlage kaputt, wenn es heißt, sie sei ausgefallen?

Wenn es heißt, die Telefonanlage sei ausgefallen, ist die Anlage oft gar nicht die Ursache. Bei uns kam genau diese Meldung, und der Neustart der Anlage half nicht, weil an ihr nichts kaputt war. Tatsächlich hatte ein einzelnes WLAN-Telefon auf dem Außengelände eine schlechte Verbindung: Es musste sich bei jedem Wechsel zwischen drei Funkpunkten neu anmelden. Heute prüfe ich die Anlage zuerst in sechzig Sekunden mit drei kurzen Tests, bevor jemand den Stecker zieht. Die Meldung beschreibt, was der Mensch erlebt, nicht, wo der Fehler sitzt.

Warum hören die Beschwerden nicht auf, obwohl die Ursache gefunden ist?

Die Beschwerden hören nicht auf, weil es oft zwei Ursachen gleichzeitig sind und man nur eine davon behoben hat. Ich hatte unsere Telefonprobleme dem WLAN am Arbeitsplatz zugeschrieben und die Leitung freigesprochen. Dann maß der neue Monitor auf der DSL-Strecke dreiundneunzig Millisekunden Latenz bei fast fünfundzwanzig Millisekunden Jitter, während Fritzbox und Telefonanlage sauber blieben. Es war beides. Wer bei der ersten plausiblen Ursache aufhört, repariert die Hälfte und wundert sich über den Rest.